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Tage- und Nachtbücher über das Markusevangelium oder: Der nackte Gott
Derwahl, Freddy
Produktabbildung
Einband:gebunden
Abmessungen:13 x 21 cm
Seiten:128
Erscheinung:1/2018
ISBN:978-3-7346-1140-7
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» Belgischer Rundfunk 14.02.2018 (Audio mit Interview Derwahl)
14,95 EUR
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Ein Schriftsteller begegnet dem Markusevangelium

Vom bekanntesten deutschsprachigen Schriftsteller Belgiens:
· Tagebuchnotizen aus schwierigen Tagen
· Eine inspirierende, sehr persönliche Begegnung mit dem Markusevangelium

»Im Anschluss an meine Todesnähe betrachtete ich in unseren blühenden Wiesen, jenseits der klassischen Jesus-Bilder, das Markusevangelium mit einem anderen Blick: süchtig, sehnsüchtig. Auge in Auge mit dem Eigentlichen.« Freddy Derwahl

Freddy Derwahl hat sich in einer wichtigen Lebensphase, nach einer schweren Krankheit, auf das Markusevangelium eingelassen. In seinen „Tage- und Nachtbüchern“ hielt er die Reflexionen, Fragen und Erlebnisse fest. Ein ganz und gar persönliches Buch, situativ, exakt datiert, das Zeugnis eines renommierten Autors für die inspirierende Kraft, die in der Bibel steckt. Als Licht „für die Tage wie für die Nächte“.

Derwahl, Freddy

Freddy Derwahl, geboren 1946 in Eupen/Belgien, studierte in Löwen, Aachen und Paris. Der Schriftsteller und Journalist schrieb u. a. für die Frankfurter Allgemeine Zeitung und Die Zeit.
Bekannt wurde er u. a. durch seine Biografien über Johannes XXIII. (Pattloch), Anselm Grün (Vier-Türme), seinen Roman „Nonna stirbt“ (Herder) und „Der letzte Mönch von Tibhirine“ (adeo). Freddy Derwahl ist Mitglied des internationalen Schriftstellerverbands P. E. N.

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Leseprobe: Vatikan Magazin, März 2018, S.56-60

"(...) In kurzen Tage- und Nachtbucheinträgen bringt Derwahl seine Gedanken zu Papier. Es sind wunderbare Blitzlichter, die nicht nur einen tieferen Einblick in den ältesten Evangelientext der Bibel verschaffen, sondern auch dazu anspornen, sich selbst auf ganz persönliche Weise mit Jesus Christus und seiner Botschaft auseinanderzusetzen."
Licht 3/2018

Bekennend
"Wer einmal dem Tod von der Schippe gesprungen ist, der ist verändert fürs Leben. So geht es auch Freddy Derwahl. Seine Tage- und Nachtbucheinträge sind in allen Hochs und Tiefs ein eindrucksvolles Glaubenszeugnis.
(job)Glaube und Leben / Der Sonntag / Bonifatiusbote
Bücherseite Ostern-Extra - in Ausgabe 13 vom 01.04.2018


"Freddy Derwahl und sein nackter Gott
Der kurze, prägnante, reißerisch daherkommende Buchtitel ist provokativ. Hat da etwa jemand über einen Gott geschrieben, der nackt ist? Und was ist ein nackter Gott überhaupt? Am Karfreitag 2017 schreibt der deutsch-belgische Schriftsteller und Romanautor Freddy Derwahl seinen "Versuch über die Nacktheit Gottes". Und wie könnte es anders sein, nicht nur der Titel des Buches läßt irgendwie die nachkonziliare Auflösung alles Katholischen anklingen. Es wird geradezu bestätigt, wenn Derwahl schreibt: "Im Mai ’68 schien ein nackter Gott für uns Studenten ein radikal reiner Gott zu sein, der die Freiheit von allen gesellschaftlichen Zwängen liebte." Dabei wird Nacktheit als Befreiung empfunden. Der Autor entdeckt sie sowohl in der bildenden, der darstellenden Kunst, als auch bei Autoren wie Camus, sowie in geschichtlichen Ereignissen. Ja selbst in der Kirche findet er sich bestätigt. Bei Papst Johannes Paul II. findet er: "Die Nacktheit bezeichnet das ursprüngliche Gut der göttlichen Schau …"

Freddy Derwahl geht jedoch eigene Wege. Er sucht Gott in allen Phasen seines Lebens, dies bezeugt er in vielen seiner Romane und anderen Bücher. Das vorliegende Buch "Tage- und Nachtbücher über das Markusevangelium oder: Der nackte Gott", sind Gedanken zum kürzesten der vier Evangelien und entstanden im Zusammenhang mit einer langen Krankheit, die Derwahl gerade überstanden hatte. In vielen Spaziergängen erwägte er ganz untheologisch Aussagen des Evangelisten Markus. Die Tagebuchaufzeichnungen, zwischen April und September 2015 entstanden, sind Auseinandersetzung mit sich selbst in Beziehung zu Jesu Worten und dessen Geschichten, die Markus aufgeschrieben hat. Derwahl hat sie notiert nach seinen Spaziergängen, Begegnungen oder Besuchen an anderen Orten.

Die Aufzeichnungen geben einen Blick frei auf Ereignisse im Leben des Autors, die sich ohne weiteres sowohl auf die Literatur als auch den realen Kontakt beziehen können. Immer wieder wird alles bezogen auf Stellen bei Markus’ Evangelium. In einem manchmal auch amüsanten geistlichen Lesebuch lässt Derwahl den Leser Einblicke gewähren in sein Inneres und in vergangene Begegnungen, die so wichtig für ihn waren. Und immer wieder das Kreisen um den nackten Gott. Ihn findet er am Kreuz und bei der Auferstehung. Dann, so meint Freddy Derwahl, würden "wir alle verklärte Nackte sein".

Doch das Buch ist nicht blasphemisch, es ist ganz rein. Der Autor, der zeit seines Lebens immer auf der Suche war, auch auf der Suche nach dem Mönchsleben, weil er wusste, dass die Mönche näher an Gott seien, bestieg unzählige Berge, jene Orte bevorzugter Gotteserscheinungen. Er wollte immer auch selbst Gott begegnen, ihn sehen, mit ihm reden. Derwahl wird Gott erfahren haben. Er weiß es aus seiner Erfahrung und hat es aufgeschrieben: wenn es hart auf hart kommt, das ist die Stunde der Entscheidung, sind wir "nackt, weil bloßgestellt"."
Hans Jakob Bürger, de.catholicnewsagency.com, 02.02.2018

"Freddy Derwahls Buch „Der nackte Gott“: Der Glaube kennt keine Kleider
Etappen aus einer seiner schwierigsten Lebensphasen hat der Eupener Schriftsteller Freddy Derwahl in einem neuen Werk veröffentlicht: „Der nackte Gott“.
Nach einer überstandenen schweren Krankheit und Todesnähe unternimmt Derwahl in regelmäßigen Abständen Spaziergänge in den Wiesen im Eupener Ortsteil Stockem, sucht Ruhe und Abstand auf Bänken und Pfaden.
Im Wunsch nach „Gesund werden“ begegnet er dem Markus-Evangelium. Weder zwingend, noch aufdringlich. Derwahl nimmt diese Begegnung an, lässt sich in diesen Wochen und Monaten durch die Botschaft des Evangeliums inspirieren.
Keine exegetischen Erklärungen und theologische Auslegungen umfassen seine Tage- und Nachtbücher über das älteste und kürzeste der vier Evangelien. Es ist seine eigene persönliche Interpretation jenseits aller klassischen Jesusbilder, inmitten seiner unmittelbaren Umgebung von Haus und Wiesen.
„Der nackte Gott“ lässt den Leser durch die Augen des Schriftstellers einen anderen Blick auf den Jesus von Nazareth und seine Botschaft werfen. Einen Blick, gekennzeichnet durch die Krankheitserfahrungen und dem sehnsüchtigen Willen nach Leben und Weiterleben.
(…) Da schafft der Autor Verbindungen zum aktuellen Zeitgeschehen, spürt die Veränderungen auf und versucht, sie in Bildern, Ereignissen und Textstellen zu veranschaulichen, zu reflektieren und zu hinterfragen. Es sind feine, exakt datierte, ganz persönliche Tagebuchnotizen aus schwierigen Zeiten, Tag- und Nachtnotizen, losgelöst von den Regeln, die die Natur schreibt.
In seiner autobiografischen Reflexion auf die eigenen Erfahrungen und die Neuentdeckung des Glaubens dringt Freddy Derwahl bis zum wesentlichen seines Lebens vor.
Er selber sieht dies als einen Versuch über die Nacktheit Gottes. Er streicht alles, was seinen Blick auf den Gekreuzigten verschleiert, befreit ihn von allen Umschreibungen. Der Glaube trägt keine Kleider.
„Der nackte Gott“ ist kein Roman, sondern ein subjektives Suchen nach Antworten - nicht allein nur in der Bibel, sondern auch in der sakralen Kunst und Literatur, manchmal philosophisch, oft menschlich.
Der Leser muss sich auf seinen „Rundweg“ einlassen, ihn mitgehen und erfahren. Christus erscheint nicht als ein historischer Zeuge der Vergangenheit, sondern als Weltveränderer der Gegenwart. Ihn müssen wir immer neu entdecken.
Freddy Derwahl sagt selbst: „Im Anschluss an meine Todesnähe betrachtete ich in unseren blühenden Wiesen, jenseits der klassischen Jesus-Bilder, das Markus-Evangelium mit einem anderen Blick: süchtig, sehnsüchtig. Auge in Auge mit dem Eigentlichen.“"
Ostbelgien Direkt, 13.01.2018

"Literatur: Der Eupener Schriftsteller Freddy Derwahl erzählt von persönlichen Erfahrungen nach schwerer Krankheit und Todesnähe
Auf der Suche nach dem „nackten Gott“
Auf 128 Seiten erzählt der 71-Jährige seine persönlichen Erfahrungen nach schwerer Krankheit und Todesnähe. Der geografische Standort ist einfach: Das Buch spielt fast ausschließlich in der Wiesenlandschaft im Eupener Ortsteil Stockem. Der Autor nennt es „mein Rundweg“, der ihn von den letzten Bauernhöfen zu der Kapelle der Sieben-Schmerzen, oberhalb von Membach führt. Es sind Spaziergänge der besonderen Art. Der Autor geht noch am Stock und liest in den Ruhepausen auf den Bänken in den Gassen das erste, älteste und kürzeste Evangelium.
Wie ist die Idee zu diesem Buch entstanden?
Es war eine Inspiration, wie bei einem Gedicht oder einer Musikkomposition. Es geschieht unerwartet plötzlich und kommt aus der Tiefe. Manches ist seit Jahren angestaut und bricht heraus. Die Umstände sind wichtig, bei mir waren es gerade überstandene schwere Krankheiten und zunächst noch mühsame Spaziergänge in den Frühlingswiesen zuhause in Stockem. Als ich mit der Arbeit am Manuskript begann, spürte ich, dass alles echt und auf dem richtigen Weg war.
Sie schreiben, dass Sie nach der gemachten Todesnähe das Markus-Evangelium mit einem anderen Blick sehen: „süchtig, sehnsüchtig. Auge in Augen mit dem Eigentlichen“. Was ist für Sie heute „das Eigentliche“?
Das „Eigentliche“ ist ein bevorzugter Begriff des Philosophen Martin Heidegger. Er setzt den ungetrübten Blick auf die Realität des Lebens und des Todes voraus. Keine Ablenkungen, keine Selbsttäuschungen, keine oberflächlichen Illusionen, sondern Sinnsuche und die Frage nach dem Letzten. Da ich selbst die Erfahrung von Todesnähe gemacht hatte, las ich das Markus- Evangelium nicht aus Gründen frommer Besinnlichkeit, sondern aus persönlicher Betroffenheit. Wie empfindet man Leid, wenn man selbst gelitten hat? Wie überwindet man Angst, wenn man sich selbst geängstigt hat? Was sagt einem dieser Jesus von Nazareth, wenn man nichts mehr zu sagen wusste? Da kommt es zu Entdeckungen, die Sehnsucht bewirken. Man möchte sich von Floskeln und Vorurteilen lösen, die man so mit sich herum schleppt. Jetzt will man näher dabei sein und etwas aus der Bibel verstehen, das auch dich und mich betrifft.
Das Markus-Evangelium gilt als das kargste Evangelium: Heißt Ihr neues Buch deshalb „Der nackte Gott“?
Der Titel ist sehr früh entstanden. Markus ist ein strenger, sachlicher Autor, kein Sensationsreporter. Er berichtet knapp und wesentlich. Sein Gott ist nackt, weil er ein Gott ohne Ornamente, Verkleidungen oder Moden ist. Der Gekreuzigte ist nicht zu übertreffen.
„Der nackte Gott“ ist sehr persönlich und subjektiv. Wie nackt lassen Sie Gott erscheinen?
Ich wollte keine Studie mit einer theologischen Bildung schreiben, die ich nicht habe. Hier geht es um „Tage- und Nachtbücher“, sehr persönliche Notizen, die nur subjektiv sein können und dem Leser einen intimen Einblick in mein Leben im Frühjahr 2015 gewähren. Dabei erscheint Gott splitternackt. Er ist Mensch geworden, so wie wir Menschen zur Welt kommen. So nackt ist er auch gestorben, über seine Kleider haben die Soldaten das Los gewürfelt. Die letzten Fetzen haben sie ihm vom Leib gerissen, um ihn der öffentlichen Bloßstellung preiszugeben. Das war nicht nur unter römischer Herrschaft von Kaiser Augustus so, sondern noch unter den Nazis, die den protestantischen Theologen Dietrich Bonhoeffer zur totalen Demütigung nackt aufhängten.
Markus schreibt kurz und knapp, wie ein „nüchterner Nachrichtenredakteur“, wie Sie feststellen. Wie sehr passt dieser Stil zum Schriftsteller Freddy Derwahl?
Ich war als Journalist in der AVZ, im BRF oder jetzt im „Vatican-Magazin“ nie gerne in der Nachrichten-Redaktion tätig, sondern ganz nahe am Geschehen dran. Da kommt es neben den Fakten auch auf Zwischentöne, kennzeichnende Details und Atmosphärisches an. Das ist eine andere Sprache, sie hat etwas Erzählerisches. Um so mehr gilt diese Spielart des Schreibens für meine Romane oder Gedichte: Es sind Innenansichten und sie handeln oft von Verborgenem oder Verschwiegenem. Dazu bedarf es der Bilder und nachdenklicher Fantasie.
Wen wollen Sie mit dem Buch erreichen, was wollen Sie bewirken?
Das Buch über die Markus- Entdeckungen am Stock auf Bauernwegen zwischen Eupen und Membach ist ein Angebot für alle, die sich für eine persönlich-intime Sichtweise des Lebens Jesu interessieren. Christlich ohnehin, ökumenisch gewiss, doch ist es nicht für eine konfessionelle Klientel geschrieben. Ich würde mich freuen, wenn es auch Anders- oder Nichtgläubige in die Hand nähmen. Es gibt zweifelsohne viel Gesprächsstoff.
In Ihrem Werk steht nicht die Bibelwissenschaft im Vordergrund, sondern Lebenssituationen mit ihren hellen und dunklen Seiten.
Außer dem Neuen Testament habe ich keine anderen Bücher als Hintergrund-Wissen benutzt. Auch bin ich kein Exeget, der die Schriften interpretiert. Umso mehr war es für mich bedeutend, als mir Benoit Standaerd, ein Eremit aus der Einsiedelei im Wald bei Malmedy und Autor einer 1000-seitigen Markus-Biografie schrieb, er habe in meinen 128 Seiten wiederholt Passagen entdeckt, die ihm selbst bei seiner umfassenden Arbeit nicht aufgefallen seien. Jeder Leser entdeckt andere Facetten. Die Bibel ist kein Gesetzbuch, sondern eine „Frohe Botschaft“ für das Herz jedes Einzelnen.
„Der Christ des 21. Jahrhunderts wird Mystiker sein - oder wird es nicht.“ So hat es der katholische Theologie Karl Rahner einst ausgedrückt. Sehen Sie sich als moderner Mystiker?
Gewiss nicht, obwohl ich die modernen mystischen Autoren, wie Edith Stein, Roger Schutz oder Thomas Merton als hochspannend betrachte. Der französische Kulturminister und Ex-Kommunist André Malraux hat übrigens von der Spiritualität das Gleiche wie der Jesuit Rahner gesagt. Ich selbst bin ein katholischer belgischer Schriftsteller deutscher Sprache, der gegen Sturm und Flut der gottvergessenden Zeit, von seinen Erfahrungen, Reisen und Begegnungen im einstweiligen Rest-Christentum erzählt. Das ist eine Lebensaufgabe, die mich glücklich macht.
Welche anderen literarischen Projekte verfolgen Sie derzeit?
Älter werdend habe ich den Versuch unternommen, nicht ohne etwas Demut, meine von Verlegern angeregte Autobiografie zu schreiben. Sie soll mit dem Label „Ostbelgien“ im kommenden Jahr unter dem Titel „Ein verwegenes Leben“ im gesamten deutschen Sprachraum erscheinen."
GrenzEcho, 18.01.2018